Wurminfektionen vorbeugen und behandeln

 

Wurminfektionen vorbeugen und behandeln

Weltweit gibt es Hunderte von verschiedenen Wurmarten. Aber nur einige wenige davon sind für Hunde und ihre Menschen von Bedeutung. Wurminfektionen werden höchst selten lebensbedrohlich, aber sie schwächen einen Organismus, wenn nichts gegen sie unternommen wird. Hundehilfe Mariechen hat die wichtigsten Fakten und Tipps zusammengetragen.

 

Sind alle Hunde gleichermaßen gefährdet, sich Würmer zu holen? 

Grundsätzlich sind alle Hunde gefährdet, sich Würmer zu holen. Entscheidend ist aber, ob sie durch eine Wurminfektion krank werden. Und da sind sehr junge, sehr alte oder auf irgendeine Weise geschwächte Hunde deutlich stärker gefährdet. Die meisten erwachsenen Tiere, zumindest hierzulande, die in einem relativ guten Gesundheitszustand sind, können durchaus eine gewisse Wurmbürde – so nennt man das in der Tiermedizin – haben und ansteckungsfähige Stadien ausscheiden, ohne dass man irgendetwas merkt oder sieht. Wie stark unsere Hunde mit Würmern belastet sind, bekommen wir nämlich tatsächlich meistens nicht mit.

Deshalb sollte man sich auf jeden Fall um das Thema kümmern. Und das bedeutet: entweder routinemäßige Entwurmungen durchführen oder durch regelmäßige Kotuntersuchungen prüfen, ob der Hund einen Wurmbefall hat. Erforderlich hierfür ist eine Sammelkotprobe über drei Tage. Eine einmalige Kotprobe einzureichen genügt nicht, weil die infektiösen Stadien der Parasiten teilweise intermittierend ausgeschieden werden. So kann es sein, dass der Kot an zwei Tagen frei ist von Wurmstadien, und am dritten Tag ist dann etwas zu finden. Im Extremfall kann selbst die Sammlung über drei Tage ohne Befund sein – obwohl der Hund Würmer hat. Entweder wurde tatsächlich an diesen drei Tagen nichts ausgeschieden, oder nur so wenig, dass man im Labor mit dem üblichen Anreicherungsverfahren nichts findet.

 

Auf welchem Weg holen sich Hunde die Würmer?

Ungeborene Hundekinder können sich im Mutterleib mit Spulwürmern infizieren. Spul- und Hakenwürmer holen sich die Kleinen über die Muttermilch. Deshalb werden in der Regel grundsätzlich alle Hundewelpen mehrfach entwurmt. Es gibt aber auch die Übertragung durch rohes Fleisch, das nicht lange genug erhitzt oder nicht lange genug eingefroren worden ist.

Barfer müssen also gut informiert sein. Das Fleisch, das sie roh verfüttern wollen, sollte vorher eine Woche bei mindestens 17 Grad minus tiefgekühlt worden sein. Ansonsten besteht ein gewisses Risiko, dass das Fleisch noch ansteckungsfähige Erreger wie eben beispielsweise Würmer enthält, die dem Hund gefährlich werden können.

Fest steht: Es gibt keine Wurminfektion allein durch Schnuppern, wie manchmal behauptet wird. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass Erreger eingeatmet werden. Die Ansteckung erfolgt fast ausschließlich über die orale Aufnahme, also über den Mund bzw. das Maul. Hunde tunken beispielsweise ihre Nase – gerade Welpen sind besonders explorationsfreudig – in den Kothaufen eines anderen Tieres oder in eine Wasserpfütze, die mit Kot kontaminiert ist, und haben dann möglicherweise Wurmstadien an der Nase kleben. Irgendwann lecken sie sich über das Mäulchen – und schwupp haben sie sich infiziert.

 

Was machen Würmer im Körper der Hunde?

Würmer sind Parasiten, die in der Regel den Darm befallen, darin einige Zeit leben und quasi von ihrem Wirt zehren. Darmbeschwerden, Müdigkeit und leichtes Fieber können auf eine Wurminfektion hindeuten. Manche Hunde bekommen Durchfall. Der Durchfall ist keine Abwehrreaktion im positiven Sinn, sondern eine Krankheitserscheinung. Die Parasiten heften sich an die Darmschleimhaut und schädigen sie sowohl rein mechanisch als auch durch Stoffwechselprodukte. Dadurch kommt es zu einer verminderten Aufnahme von Nahrungsbestandteilen durch die Darmwand in die Blutbahn und zu Durchfall. Der Durchfall dient also nicht primär der Ausschwemmung der Parasiten.

Wenn es zu Durchfall aufgrund von Wurmbefall kommt, kann der ganz unterschiedlich aussehen, beispielsweise blutig, schleimig, im schlimmsten Fall mit Gewebefetzen. Wenn Spulwürmer mit dem Kot ausgeschieden oder gar erbrochen werden, bedeutet das höchste Alarmstufe! Hunde mit anhaltendem, wässrigem oder gar blutigem Durchfall sollten spätestens nach zwei Tagen einem Tierarzt vorgestellt werden. Oft gibt es aber auch  Anzeichen wie struppiges Fell, Gewichtsverlust oder einen dicken Bauch. Hält eine Verwurmung lange an, kann es auch zu einer Blutarmut kommen, weil die Tiere über den Kot Blut verlieren. Und im allerübelsten Fall kann es zum Darmverschluss kommen.

Solche extremen Fälle gibt es aber nur bei kompletter Verwahrlosung eines Tieres. Hierzulande erlebt man das noch bei den „klassischen“ Bauernhofkatzen. Da sieht man die kleinen Kätzchen mit struppigem Fell und aufgetriebenem Bauch. Manche sind durch die Würmer so extrem geschwächt, dass man sie nicht mehr retten kann.

Es ist also auch bei Wurminfektionen entscheidend, wie das Immunsystem aufgestellt ist. Bei einem abwehrschwachen Tier können die Würmer sehr viel größeren Schaden anrichten als bei einem gesunden Tier. Es heißt ja auch nicht umsonst, dass das Darmmilieu eine große Rolle bei der Infektionsabwehr spielt, denn im Darm befindet sich der größte Anteil des körpereigenen Immunsystems!

 

Wie hoch ist das Risiko für Menschen, sich bei Hund oder Katze anzustecken?  

Wie bei allem besteht im Zusammenleben mit Tieren natürlich auch hier das „normale Lebensrisiko“. Jeder Hundehalter sollte selber entscheiden, was ihm wichtiger ist: der innige Kontakt zu seinem Tier oder die Minimierung eines möglichen Infektionsrisikos. Letzteres ist  aber bei einem gepflegten und augenscheinlich gesunden Hund als eher gering einzustufen, vor allem, wenn die Halter in Sachen Hygiene und Entwurmung konsequent sind.

Wenn man sich nach dem Streicheln seine Hände gründlich mit Wasser und Seife wäscht, reicht das. Besondere Vorsicht ist aber bei Echinokokken, also Bandwürmern, geboten. Da die infektiösen Stadien dieser Würmer in der Umwelt teilweise Monate bis Jahre überleben können, sollte man bei der Gartenarbeit Handschuhe tragen und den Kot von Hund und Katze nicht auf den Kompost geben oder in der Toilette hinunterspülen, sondern über den Hausmüll entsorgen.

Wer seinen Hund ins Fell oder gar auf die Nase küsst, setzt sich einem größeren Risiko aus.

Regelmäßige Entwurmungen des Menschen lehnen Ärzte ab, zudem sind schulmedizinische Entwurmungsmittel verschreibungspflichtig. Hat man den Verdacht, sich infiziert zu haben, sollte man eine Stuhlprobe untersuchen lassen.

Spul- und Bandwürmer können von Hund und Katze auf den Menschen übertragen werden, wenn dieser Wurmteile aufnimmt, die ein Tier mit dem Kot ausscheidet oder in seinem Fell trägt. Aus Spulwurmeiern entwickeln sich Larven, die dann auch durch den Körper wandern und beim Hund durch die Lunge gehen können. Er hustet sie hoch und schluckt sie dann wieder ab. Nach dem Hochhusten befinden sich die Larven im Maul und wenn dann Herrchen oder Frauchen abgeschleckt wird, kann es zur Übertragung kommen. Oder: Wenn der Hund winzig kleine Kotmengen im Fell hat – beispielsweise nachdem er sich gewälzt hat – und man streichelt ihn und wischt sich später durchs Gesicht. Durch eine solche Schmierinfektion kann der Mensch sowohl die Larven als auch die Eier aufnehmen. Dasselbe gilt für Kinder, die in verunreinigten Sandkästen spielen. Selbst wenn man den Kot entfernt hat, können immer noch Spuren vorhanden sein.

Von einigen Ausnahmen abgesehen – der Fuchsbandwurm ist wegen seines fast unaufhaltsamen Wachstums geradezu bösartig – ist eine Wurminfektion keine „Dauerbaustelle“. Nach einigen Monaten ist man die Biester meistens auch wieder los. In der Medizin spricht man von „selbstlimitierend“, was so viel heißt wie: Das hört von selbst wieder auf.

Nur bei sehr starkem Befall hat man Beschwerden, nämlich Bronchitis, krampfartige Bauchschmerzen – im Extremfall kann ein Darmverschluss dahinterstecken – Appetitlosigkeit, allergische Reaktionen, die sich vor allem auf der Haut und in den Atemwegen zeigen.

Bandwurminfektionen beispielsweise durch Fuchs- und Hundebandwurm können für den Menschen deshalb gefährlich werden, weil die Würmer nicht primär den Magen-Darmtrakt, sondern innere Organe besiedeln. Der Lebenszyklus der Bandwürmer erfordert einen oder mehrere Zwischenwirte. Der Hauptinfektionsweg verläuft über den Verzehr von mit Wurmeiern behafteten rohen Lebensmitteln wie Fleisch oder Fisch und über den Kontakt zu Kot oder Fell von Hunden und Katzen, an dem Bandwurmendglieder haften. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch gibt es nicht.

Anzeichen für eine Infektion durch Bandwürmer können Bauchschmerzen, Durchfall und Gewichtsverlust sein. Im Stuhl des Betroffenen sind unter Umständen weiße Bandwurmglieder zu sehen. Beim Befall mit Echinokokken kann es beim Menschen zu einer Zystenbildung in der Leber und/oder anderen Organen kommen, die tödlich enden kann.

 

Warum empfehlen die meisten Tierärzte, alle drei Monate zu entwurmen? 

Es hat sich in Studien gezeigt, dass die ein- bis dreimalige Entwurmung pro Jahr nicht ausreichend sind, um einen gewissen wurmfreien Status zu erreichen. Die Präparate, die Tierärzte geben, haben in der Regel eine Breitbandwirkung und eliminieren die meisten der in Mitteleuropa gängigen Wurmarten. Eine Wurmkur wirkt aber quasi nur hier und jetzt. Eine Entwurmung wirkt nicht prophylaktisch, sondern es werden nur die im Moment der Anwendung im Tier vorhandenen Würmer beseitigt. Nimmt der Hund am Tag darauf wieder infektiöse Stadien auf, beginnt die so genannte Präpatenzzeit. Das ist die meist mehrwöchige Zeitspanne zwischen der Infektion des Hundes und dem Augenblick, in dem er beginnt, infektiöse Wurmstadien auszuscheiden. Damit kann er dann womöglich auch andere Lebewesen – uns Menschen eingeschlossen – anstecken. Entwurmt man jedes Quartal, hat man trotzdem noch eine Zeit von rund acht Wochen, in denen der Hund infektiöse Wurmstadien ausscheiden könnte. Was aber auf jeden Fall erreicht wird: Man verhindert, dass der Hund durch die Vermehrung der Würmer in seinem Körper schwer erkrankt und man senkt sein eigenes Ansteckungsrisiko.

Nicht alle Hunde müssen nach Schema F entwurmt werden. Es gibt Kriterien, anhand derer man ein individuelles Entwurmungs-Schema erstellen kann. Dabei geht es um Fragen wie: Hat das Tier freien Auslauf? Hat es Kontakt zu Artgenossen? Frisst es manchmal etwas, was man nicht kontrollieren kann? Geht es mit auf die Jagd? Bei Hunden, die sehr isoliert leben und den eigenen Garten nicht verlassen, empfehlen viele Tierärzte nur zwei Entwurmungen pro Jahr.

Es gibt Stimmen, die sagen, man müsse nur entwurmen, wenn Würmer im Kot sichtbar werden. Aber: Sind hier Würmer zu sehen, handelt es sich bereits um einen massiven Befall. Viele wissen auch nicht, worauf sie achten müssen. Bandwurmglieder sehen aus wie Reiskörner, die sich manchmal auch bewegen. Wurmeier erkennt man nicht mit bloßem Auge. Immerhin verlaufen Wurminfektionen bei den meisten ausgewachsenen, gesunden Hunden ohne Symptome. Wenn Jungtiere und Senioren schwerer erkranken, liegt das meist daran, dass beispielsweise zusätzlich eine bakterielle oder virale Infektion vorliegt, wenn das Immunsystem also schon anderweitig so beschäftigt ist, dass es auf die Würmer nicht mehr adäquat reagieren kann.

 

Kann sich ein Hund von der Katze Würmer holen bzw. umgekehrt?

Es gibt diverse Spul-, Haken- und Bandwurmarten, bei denen sowohl Hunde als auch Katzen Endwirte sind. Bei Spul- und Hakenwürmern kann die Infektion über Eier oder Larven in der Umwelt erfolgen, d. h. unter Umständen auch direkt von Hund zu Katze oder umgekehrt. Bei Bandwürmern bedarf es allerdings der Zwischenwirte, hier ist keine direkte Übertragung möglich. Aber Zwischenwirte können z. B. auch Flöhe sein, die dann vom Hund auf die Katze springen können oder umgekehrt.

 

Kann man sich darauf verlassen, wenn eine Tierschutz-Organisation angibt, alle Tiere vor der Vermittlung zu entwurmen?  

Da gibt es sicherlich große Unterschiede von Orga zu Orga, je nachdem, wie die jeweilige geführt wird. Im Idealfall wird jedes Tier möglichst sofort nach Aufnahme in ein Shelter oder Tierheim entwurmt. Entwurmung bedeutet in diesem Falle die Anwendung eines so genannten Breitspektrum-Anthelminthikums, das gegen die gängigen Spul- und Bandwürmer wirksam ist. Viele Tierärzte raten dennoch dazu, zwei bis drei Wochen nach der Ankunft des Hundes in seinem neuen Zuhause eine weitere Entwurmung durchzuführen bzw. Kotproben einzureichen. Denn egal, woher die Hunde kommen, so sind sie doch bis zu ihrer Ankunft in Deutschland meistens noch in ihren Gehegen bzw. auf dem Transport eng mit Artgenossen zusammen. Außerdem geht der zwangsläufige Stress am Immunsystem nicht spurlos vorüber.

Die Sorge, dass dann ggf. zwei Entwurmungen in kurzen Zeitabständen den Organismus zu sehr belasten könnten, muss man nicht haben. Die Entwurmungspräparate, die heute zur Verfügung stehen, sind nicht nur sehr sicher, sondern auch gut verträglich. Es ist eher so: Wenn die Darmschleimhaut durch einen vorherigen langwierigen Wurmbefall sehr geschädigt ist, kann man nicht ausschließen, dass das Entwurmungsmittel nicht ohne Nebenwirkungen vertragen wird. Im Zweifelsfall kann man dann erst einmal eine Kotuntersuchung veranlassen. Das Gros der Tierärzte setzt aber den Schwerpunkt auf die Sicherheit durch die Entwurmung. Vor allem, wenn noch weitere Hunde im Haushalt leben.

Immer wieder wird die Gefahr diskutiert, dass die Entwurmungswirkstoffe bei Hunden und Katzen nach vielen Wurmkuren nicht mehr helfen, aber bisher gibt es keine nachgewiesenen Resistenzen.