Können Haustiere den neuen Coronavirus (2019-nCoV) verbreiten?

Diese Frage sorgt zur Zeit für Verunsicherung bei vielen Hundebesitzern. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt die Lage momentan folgendermaßen ein:

„Momentan gibt es keine Beweise dafür, dass Haustiere wie Hunde oder Katzen sich mit dem neuen Coronavirus infizieren können. Trotzdem ist es immer ratsam, sich die Hände mit Wasser und Seife zu waschen, nachdem man Kontakt mit seinem Haustier hatte. Das schützt dich vor einer Vielzahl gewöhnlicher Bakterien wie E. coli und Salmonellen, die vom Hund auf den Menschen übertragen werden können.“

Stand: 06.03.2020

Quellen:
https://www.who.int/news-room/q-a-detail/q-a-coronaviruses
https://www.who.int/emergencies/diseases/novel-coronavirus-2019/advice-for-public/myth-busters

 

Wurminfektionen vorbeugen und behandeln

 

Wurminfektionen vorbeugen und behandeln

Weltweit gibt es Hunderte von verschiedenen Wurmarten. Aber nur einige wenige davon sind für Hunde und ihre Menschen von Bedeutung. Wurminfektionen werden höchst selten lebensbedrohlich, aber sie schwächen einen Organismus, wenn nichts gegen sie unternommen wird. Hundehilfe Mariechen hat die wichtigsten Fakten und Tipps zusammengetragen.

 

Sind alle Hunde gleichermaßen gefährdet, sich Würmer zu holen? 

Grundsätzlich sind alle Hunde gefährdet, sich Würmer zu holen. Entscheidend ist aber, ob sie durch eine Wurminfektion krank werden. Und da sind sehr junge, sehr alte oder auf irgendeine Weise geschwächte Hunde deutlich stärker gefährdet. Die meisten erwachsenen Tiere, zumindest hierzulande, die in einem relativ guten Gesundheitszustand sind, können durchaus eine gewisse Wurmbürde – so nennt man das in der Tiermedizin – haben und ansteckungsfähige Stadien ausscheiden, ohne dass man irgendetwas merkt oder sieht. Wie stark unsere Hunde mit Würmern belastet sind, bekommen wir nämlich tatsächlich meistens nicht mit.

Deshalb sollte man sich auf jeden Fall um das Thema kümmern. Und das bedeutet: entweder routinemäßige Entwurmungen durchführen oder durch regelmäßige Kotuntersuchungen prüfen, ob der Hund einen Wurmbefall hat. Erforderlich hierfür ist eine Sammelkotprobe über drei Tage. Eine einmalige Kotprobe einzureichen genügt nicht, weil die infektiösen Stadien der Parasiten teilweise intermittierend ausgeschieden werden. So kann es sein, dass der Kot an zwei Tagen frei ist von Wurmstadien, und am dritten Tag ist dann etwas zu finden. Im Extremfall kann selbst die Sammlung über drei Tage ohne Befund sein – obwohl der Hund Würmer hat. Entweder wurde tatsächlich an diesen drei Tagen nichts ausgeschieden, oder nur so wenig, dass man im Labor mit dem üblichen Anreicherungsverfahren nichts findet.

 

Auf welchem Weg holen sich Hunde die Würmer?

Ungeborene Hundekinder können sich im Mutterleib mit Spulwürmern infizieren. Spul- und Hakenwürmer holen sich die Kleinen über die Muttermilch. Deshalb werden in der Regel grundsätzlich alle Hundewelpen mehrfach entwurmt. Es gibt aber auch die Übertragung durch rohes Fleisch, das nicht lange genug erhitzt oder nicht lange genug eingefroren worden ist.

Barfer müssen also gut informiert sein. Das Fleisch, das sie roh verfüttern wollen, sollte vorher eine Woche bei mindestens 17 Grad minus tiefgekühlt worden sein. Ansonsten besteht ein gewisses Risiko, dass das Fleisch noch ansteckungsfähige Erreger wie eben beispielsweise Würmer enthält, die dem Hund gefährlich werden können.

Fest steht: Es gibt keine Wurminfektion allein durch Schnuppern, wie manchmal behauptet wird. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass Erreger eingeatmet werden. Die Ansteckung erfolgt fast ausschließlich über die orale Aufnahme, also über den Mund bzw. das Maul. Hunde tunken beispielsweise ihre Nase – gerade Welpen sind besonders explorationsfreudig – in den Kothaufen eines anderen Tieres oder in eine Wasserpfütze, die mit Kot kontaminiert ist, und haben dann möglicherweise Wurmstadien an der Nase kleben. Irgendwann lecken sie sich über das Mäulchen – und schwupp haben sie sich infiziert.

 

Was machen Würmer im Körper der Hunde?

Würmer sind Parasiten, die in der Regel den Darm befallen, darin einige Zeit leben und quasi von ihrem Wirt zehren. Darmbeschwerden, Müdigkeit und leichtes Fieber können auf eine Wurminfektion hindeuten. Manche Hunde bekommen Durchfall. Der Durchfall ist keine Abwehrreaktion im positiven Sinn, sondern eine Krankheitserscheinung. Die Parasiten heften sich an die Darmschleimhaut und schädigen sie sowohl rein mechanisch als auch durch Stoffwechselprodukte. Dadurch kommt es zu einer verminderten Aufnahme von Nahrungsbestandteilen durch die Darmwand in die Blutbahn und zu Durchfall. Der Durchfall dient also nicht primär der Ausschwemmung der Parasiten.

Wenn es zu Durchfall aufgrund von Wurmbefall kommt, kann der ganz unterschiedlich aussehen, beispielsweise blutig, schleimig, im schlimmsten Fall mit Gewebefetzen. Wenn Spulwürmer mit dem Kot ausgeschieden oder gar erbrochen werden, bedeutet das höchste Alarmstufe! Hunde mit anhaltendem, wässrigem oder gar blutigem Durchfall sollten spätestens nach zwei Tagen einem Tierarzt vorgestellt werden. Oft gibt es aber auch  Anzeichen wie struppiges Fell, Gewichtsverlust oder einen dicken Bauch. Hält eine Verwurmung lange an, kann es auch zu einer Blutarmut kommen, weil die Tiere über den Kot Blut verlieren. Und im allerübelsten Fall kann es zum Darmverschluss kommen.

Solche extremen Fälle gibt es aber nur bei kompletter Verwahrlosung eines Tieres. Hierzulande erlebt man das noch bei den „klassischen“ Bauernhofkatzen. Da sieht man die kleinen Kätzchen mit struppigem Fell und aufgetriebenem Bauch. Manche sind durch die Würmer so extrem geschwächt, dass man sie nicht mehr retten kann.

Es ist also auch bei Wurminfektionen entscheidend, wie das Immunsystem aufgestellt ist. Bei einem abwehrschwachen Tier können die Würmer sehr viel größeren Schaden anrichten als bei einem gesunden Tier. Es heißt ja auch nicht umsonst, dass das Darmmilieu eine große Rolle bei der Infektionsabwehr spielt, denn im Darm befindet sich der größte Anteil des körpereigenen Immunsystems!

 

Wie hoch ist das Risiko für Menschen, sich bei Hund oder Katze anzustecken?  

Wie bei allem besteht im Zusammenleben mit Tieren natürlich auch hier das „normale Lebensrisiko“. Jeder Hundehalter sollte selber entscheiden, was ihm wichtiger ist: der innige Kontakt zu seinem Tier oder die Minimierung eines möglichen Infektionsrisikos. Letzteres ist  aber bei einem gepflegten und augenscheinlich gesunden Hund als eher gering einzustufen, vor allem, wenn die Halter in Sachen Hygiene und Entwurmung konsequent sind.

Wenn man sich nach dem Streicheln seine Hände gründlich mit Wasser und Seife wäscht, reicht das. Besondere Vorsicht ist aber bei Echinokokken, also Bandwürmern, geboten. Da die infektiösen Stadien dieser Würmer in der Umwelt teilweise Monate bis Jahre überleben können, sollte man bei der Gartenarbeit Handschuhe tragen und den Kot von Hund und Katze nicht auf den Kompost geben oder in der Toilette hinunterspülen, sondern über den Hausmüll entsorgen.

Wer seinen Hund ins Fell oder gar auf die Nase küsst, setzt sich einem größeren Risiko aus.

Regelmäßige Entwurmungen des Menschen lehnen Ärzte ab, zudem sind schulmedizinische Entwurmungsmittel verschreibungspflichtig. Hat man den Verdacht, sich infiziert zu haben, sollte man eine Stuhlprobe untersuchen lassen.

Spul- und Bandwürmer können von Hund und Katze auf den Menschen übertragen werden, wenn dieser Wurmteile aufnimmt, die ein Tier mit dem Kot ausscheidet oder in seinem Fell trägt. Aus Spulwurmeiern entwickeln sich Larven, die dann auch durch den Körper wandern und beim Hund durch die Lunge gehen können. Er hustet sie hoch und schluckt sie dann wieder ab. Nach dem Hochhusten befinden sich die Larven im Maul und wenn dann Herrchen oder Frauchen abgeschleckt wird, kann es zur Übertragung kommen. Oder: Wenn der Hund winzig kleine Kotmengen im Fell hat – beispielsweise nachdem er sich gewälzt hat – und man streichelt ihn und wischt sich später durchs Gesicht. Durch eine solche Schmierinfektion kann der Mensch sowohl die Larven als auch die Eier aufnehmen. Dasselbe gilt für Kinder, die in verunreinigten Sandkästen spielen. Selbst wenn man den Kot entfernt hat, können immer noch Spuren vorhanden sein.

Von einigen Ausnahmen abgesehen – der Fuchsbandwurm ist wegen seines fast unaufhaltsamen Wachstums geradezu bösartig – ist eine Wurminfektion keine „Dauerbaustelle“. Nach einigen Monaten ist man die Biester meistens auch wieder los. In der Medizin spricht man von „selbstlimitierend“, was so viel heißt wie: Das hört von selbst wieder auf.

Nur bei sehr starkem Befall hat man Beschwerden, nämlich Bronchitis, krampfartige Bauchschmerzen – im Extremfall kann ein Darmverschluss dahinterstecken – Appetitlosigkeit, allergische Reaktionen, die sich vor allem auf der Haut und in den Atemwegen zeigen.

Bandwurminfektionen beispielsweise durch Fuchs- und Hundebandwurm können für den Menschen deshalb gefährlich werden, weil die Würmer nicht primär den Magen-Darmtrakt, sondern innere Organe besiedeln. Der Lebenszyklus der Bandwürmer erfordert einen oder mehrere Zwischenwirte. Der Hauptinfektionsweg verläuft über den Verzehr von mit Wurmeiern behafteten rohen Lebensmitteln wie Fleisch oder Fisch und über den Kontakt zu Kot oder Fell von Hunden und Katzen, an dem Bandwurmendglieder haften. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch gibt es nicht.

Anzeichen für eine Infektion durch Bandwürmer können Bauchschmerzen, Durchfall und Gewichtsverlust sein. Im Stuhl des Betroffenen sind unter Umständen weiße Bandwurmglieder zu sehen. Beim Befall mit Echinokokken kann es beim Menschen zu einer Zystenbildung in der Leber und/oder anderen Organen kommen, die tödlich enden kann.

 

Warum empfehlen die meisten Tierärzte, alle drei Monate zu entwurmen? 

Es hat sich in Studien gezeigt, dass die ein- bis dreimalige Entwurmung pro Jahr nicht ausreichend sind, um einen gewissen wurmfreien Status zu erreichen. Die Präparate, die Tierärzte geben, haben in der Regel eine Breitbandwirkung und eliminieren die meisten der in Mitteleuropa gängigen Wurmarten. Eine Wurmkur wirkt aber quasi nur hier und jetzt. Eine Entwurmung wirkt nicht prophylaktisch, sondern es werden nur die im Moment der Anwendung im Tier vorhandenen Würmer beseitigt. Nimmt der Hund am Tag darauf wieder infektiöse Stadien auf, beginnt die so genannte Präpatenzzeit. Das ist die meist mehrwöchige Zeitspanne zwischen der Infektion des Hundes und dem Augenblick, in dem er beginnt, infektiöse Wurmstadien auszuscheiden. Damit kann er dann womöglich auch andere Lebewesen – uns Menschen eingeschlossen – anstecken. Entwurmt man jedes Quartal, hat man trotzdem noch eine Zeit von rund acht Wochen, in denen der Hund infektiöse Wurmstadien ausscheiden könnte. Was aber auf jeden Fall erreicht wird: Man verhindert, dass der Hund durch die Vermehrung der Würmer in seinem Körper schwer erkrankt und man senkt sein eigenes Ansteckungsrisiko.

Nicht alle Hunde müssen nach Schema F entwurmt werden. Es gibt Kriterien, anhand derer man ein individuelles Entwurmungs-Schema erstellen kann. Dabei geht es um Fragen wie: Hat das Tier freien Auslauf? Hat es Kontakt zu Artgenossen? Frisst es manchmal etwas, was man nicht kontrollieren kann? Geht es mit auf die Jagd? Bei Hunden, die sehr isoliert leben und den eigenen Garten nicht verlassen, empfehlen viele Tierärzte nur zwei Entwurmungen pro Jahr.

Es gibt Stimmen, die sagen, man müsse nur entwurmen, wenn Würmer im Kot sichtbar werden. Aber: Sind hier Würmer zu sehen, handelt es sich bereits um einen massiven Befall. Viele wissen auch nicht, worauf sie achten müssen. Bandwurmglieder sehen aus wie Reiskörner, die sich manchmal auch bewegen. Wurmeier erkennt man nicht mit bloßem Auge. Immerhin verlaufen Wurminfektionen bei den meisten ausgewachsenen, gesunden Hunden ohne Symptome. Wenn Jungtiere und Senioren schwerer erkranken, liegt das meist daran, dass beispielsweise zusätzlich eine bakterielle oder virale Infektion vorliegt, wenn das Immunsystem also schon anderweitig so beschäftigt ist, dass es auf die Würmer nicht mehr adäquat reagieren kann.

 

Kann sich ein Hund von der Katze Würmer holen bzw. umgekehrt?

Es gibt diverse Spul-, Haken- und Bandwurmarten, bei denen sowohl Hunde als auch Katzen Endwirte sind. Bei Spul- und Hakenwürmern kann die Infektion über Eier oder Larven in der Umwelt erfolgen, d. h. unter Umständen auch direkt von Hund zu Katze oder umgekehrt. Bei Bandwürmern bedarf es allerdings der Zwischenwirte, hier ist keine direkte Übertragung möglich. Aber Zwischenwirte können z. B. auch Flöhe sein, die dann vom Hund auf die Katze springen können oder umgekehrt.

 

Kann man sich darauf verlassen, wenn eine Tierschutz-Organisation angibt, alle Tiere vor der Vermittlung zu entwurmen?  

Da gibt es sicherlich große Unterschiede von Orga zu Orga, je nachdem, wie die jeweilige geführt wird. Im Idealfall wird jedes Tier möglichst sofort nach Aufnahme in ein Shelter oder Tierheim entwurmt. Entwurmung bedeutet in diesem Falle die Anwendung eines so genannten Breitspektrum-Anthelminthikums, das gegen die gängigen Spul- und Bandwürmer wirksam ist. Viele Tierärzte raten dennoch dazu, zwei bis drei Wochen nach der Ankunft des Hundes in seinem neuen Zuhause eine weitere Entwurmung durchzuführen bzw. Kotproben einzureichen. Denn egal, woher die Hunde kommen, so sind sie doch bis zu ihrer Ankunft in Deutschland meistens noch in ihren Gehegen bzw. auf dem Transport eng mit Artgenossen zusammen. Außerdem geht der zwangsläufige Stress am Immunsystem nicht spurlos vorüber.

Die Sorge, dass dann ggf. zwei Entwurmungen in kurzen Zeitabständen den Organismus zu sehr belasten könnten, muss man nicht haben. Die Entwurmungspräparate, die heute zur Verfügung stehen, sind nicht nur sehr sicher, sondern auch gut verträglich. Es ist eher so: Wenn die Darmschleimhaut durch einen vorherigen langwierigen Wurmbefall sehr geschädigt ist, kann man nicht ausschließen, dass das Entwurmungsmittel nicht ohne Nebenwirkungen vertragen wird. Im Zweifelsfall kann man dann erst einmal eine Kotuntersuchung veranlassen. Das Gros der Tierärzte setzt aber den Schwerpunkt auf die Sicherheit durch die Entwurmung. Vor allem, wenn noch weitere Hunde im Haushalt leben.

Immer wieder wird die Gefahr diskutiert, dass die Entwurmungswirkstoffe bei Hunden und Katzen nach vielen Wurmkuren nicht mehr helfen, aber bisher gibt es keine nachgewiesenen Resistenzen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie gefährlich ist Leishmaniose?

Wie gefährlich ist Leishmaniose?

Immer mehr Hundebesitzer haben schon einmal von „Leishmaniose“ gehört. Einige haben sogar einen Hund, der „Leishmaniose-positiv“ ist. Und manche fragen sich, ob sie es riskieren sollen, einen Hund mit dieser Infektion bei sich aufzunehmen. Welche Chancen hat ein infizierter Hund? Könnte sich ein gesunder Hund bei einem infizierten Artgenossen anstecken? Oder könnte ein Leishmaniose-positiver Hund die Erreger auf Menschen übertragen? Hundehilfe Mariechen hat Antworten auf die wichtigsten Fragen zusammengetragen.

  • Wie wird die Leishmaniose übertragen?

Der häufigste Übertragungsweg vollzieht sich über den Stich einer Sandmücke. Wenn sie bei einem infizierten Hund Blut gesaugt hat, dauert es allerdings mindestens fünf bis acht Tage, bevor sie einen anderen Hund anstecken kann, weil der Parasit so lange braucht, um bestimmte Entwicklungsstadien zu durchlaufen und wieder die infektiöse Form für den Hund bzw. auch für den Menschen anzunehmen. Es ist aber im Ausnahmefall auch möglich, dass ein Leishmaniose-positiver Hund die Erreger auf gesunde, also nicht-infizierte Artgenossen überträgt, z.B. im Rahmen einer Beißerei. Daneben gibt es noch andere Übertragungswege, z. B. durch den Deckakt über das Sperma oder vom Muttertier per gemeinsamem Blutkreislauf auf die ungeborenen Welpen. Wird eine Leishmaniose-positive Hündin trächtig, werden bis zu 75% ihrer Welpen schon im Mutterleib angesteckt. Und hat ein Hund bereits Symptome, kann auch eine Übertragung über Speichel, Bindehaut-Sekret oder Urin erfolgen.

  • Wie viele infizierte Hunde gibt es in Deutschland?

Man schätzt, dass mittlerweile rund 100.000 Leishmaniose-positive Hunde in Deutschland leben.

  • Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, in Deutschland von einer Sandmücke gestochen zu werden?

Noch ist die Wärme liebende Sandmücke in Deutschland nicht sehr verbreitet. Es gibt aber regional begrenzte Vorkommen – beispielsweise in Baden-Württemberg entlang des Rheingrabens sowie in Rheinland-Pfalz im Raum Kaiserslautern und Saarbrücken. Die Sandmücken sind hier nicht eingeschleppt, sondern es handelt sich um natürliche Populationen. In der genannten Region in Rheinland-Pfalz wurden auch schon einige Fälle von Leishmaniose bei Hunden festgestellt, die nicht aus dem Ausland kamen und auch niemals dorthin verreist waren. Auch sonst gab es keinen anderen möglichen Infektionsweg als den Stich der Sandmücke. Im Zuge der Klimaerwärmung werden sich die Sandmücken voraussichtlich immer weiter in Richtung Norden ausbreiten. Da ein gewisser Prozentsatz der Sandmücken Träger bzw. Überträger der Leishmanien ist, wird dadurch die Anzahl der Leishmaniose-Fälle auch hierzulande zunehmen.

  • Welche Symptome sind typisch für eine Leishmaniose?

Die Leishmanien können Haut, Schleimhaut oder Organe schädigen. Hunde haben meist Mischformen, d. h., es sind sowohl die inneren Organe als auch die Haut betroffen. Fast nie treten alle Symptome gemeinsam auf, so dass es oft nicht einfach ist, Leishmaniose zu erkennen. Dies umso mehr, als die Zeit zwischen dem verhängnisvollen Insektenstich und den ersten Symptomen (Inkubationszeit) einige Monate bis zu sieben Jahre betragen kann. Lymphknotenschwellungen, Durchfall, allgemeine Trägheit, Gewichtsverlust, Zahnfleisch- und Nasenbluten, Haarausfall, blutige oder schuppende Ekzeme vor allem an den Ohren, im Gesicht, an Gelenken und über Knochenvorsprüngen, sind Hinweise. Aber auch auffallend starkes Krallenwachstum oder Veränderungen an den Ballen können ein Zeichen für Leishmaniose sein. Hinweisende Symptome sind z. B. Haarverlust um die Augen herum und Veränderungen der Ohrränder sowie offene Wunden, ohne dass es zu Verletzungen gekommen wäre.

  • Unter welchen Umständen besteht eine Ansteckungsgefahr für den Menschen?

Wenn der Leishmaniose-positive Hund offene Wunden oder Geschwüre hat und mit einem Menschen in Kontakt kommt, der ebenfalls eine offene Hautstelle beispielsweise durch eine Verletzung hat, ist theoretisch eine Übertragung möglich. Die geschieht aber ausschließlich durch den direkten Kontakt der wunden Stellen von Hund und Mensch.

  • Sollte ein Leishmaniose-positiver Hund nicht grundsätzlich eingeschläfert werden?

Ein Leishmaniose-positiver Hund kann bei frühzeitiger und adäquater Behandlung ein weitestgehend symptomfreies Leben führen und ein hohes Lebensalter erreichen. Daher ist eine Euthanasie keinesfalls zu rechtfertigen. Allerdings will es gut überlegt sein, ob man einen solchen Hund aufnehmen möchte, insbesondere, wenn sein neues Zuhause ein Mehrhunde-Haushalt ist und sich darunter vielleicht ein älterer, chronisch kranker Hund befindet, dessen Immunsystem nicht mehr richtig arbeitet. Dasselbe gilt natürlich, wenn Menschen mit unzureichender Immunkompetenz im Haushalt leben wie sehr kleine Kinder oder Betagte, die gebrechlich und krank sind. Vorsicht ist in diesen Fällen eindeutig geboten. Infizierte Tiere bedürfen definitiv einer Behandlung, da es sich bei der Leishmaniose um eine chronische Erkrankung handelt, die schwere Formen annehmen kann und nach heutigem Kenntnisstand nicht heilbar ist. Unbehandelt führt die Erkrankung oft binnen sechs bis zwölf Monaten zum Tod.

  • Was ist mit Hunden, die zwar laut Blutuntersuchung „positiv“ sind, aber nie Symptome bekommen?

Bei diesen Hunden arbeitet das Immunsystem so gut, dass es den Erreger so weit in Schach halten kann, dass die Erkrankung niemals ausbricht. Diese Hunde haben meist einen sehr niedrigen Antikörpertiter, der mit der Zeit auch verschwinden kann. Aber das heißt nicht, dass der Hund komplett frei bzw. geheilt ist. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass die Erreger im Körper bleiben. Leishmanien verstecken sich in bestimmten Zellen, beispielsweise des Knochenmarks. Das Ansteckungsrisiko ist in diesen Fällen allerdings sehr gering.

  • Die meisten „positiven“ Hunde werden mit dem Wirkstoff Allopurinol behandelt. Wie teuer sind diese Medikamente?

Allopurinol, das übrigens keine nennenswerten Nebenwirkungen hat, wird in Tablettenform zweimal täglich verabreicht, meist für längere Zeit. Es ist ein sehr preisgünstiges Medikament. Für einen 20-Kilo-Hund zum Beispiel entstehen Kosten in Höhe von wenigen Euro pro Monat. Braucht der Hund außer Allopurinol noch etwas anderes, weil deutlichere Symptome auftreten oder der Antikörpertiter sehr hoch ist, setzt der Tierarzt entweder Milteforan oder Glucantime ein. Mit Glucantime belaufen sich die Kosten für einen 20-Kilo-Hund bei vierwöchiger Behandlung auf etwa 110 Euro. Wenn man Milteforan verwendet, kommt man auf ca. 200 Euro. Allerdings entscheidet über den Preis auch die Einkaufsquelle. Da die Medikamente in Deutschland nicht zugelassen sind, müssen sie über eine internationale Apotheke bestellt werden. Milteforan oder Glucantime werden aber nur über vier Wochen gegeben und anschließend der Therapieerfolg beurteilt. Über längere Zeit wird nur das Allopurinol eingesetzt.

  • Was bewirkt Allopurinol im Körper?

Allopurinol tötet die Leishmanien nicht ab, sondern sorgt dafür, dass sie sich nicht weiterentwickeln bzw. vermehren können. Milteforan und Glucantime wirken leishmanizid, sprich: sie töten die Erreger ab. Was aber eben leider keine den Erreger komplett eliminierende Wirkung hat. Man kann so aber die Erregerlast deutlich senken.

  • Kann das Allopurinol irgendwann abgesetzt werden?

Es gibt Hunde, die keine Symptome und einen niedrigen Antikörper-Titer haben. Das bedeutet in Abhängigkeit von dem verwendeten Testsystem in Zahlen z. B. einen Titer von 1:50 bis 1:100 im sogenannten IFAT-Test oder 7-15 im ELISA-Test. Hohe Titer sind Werte über 1:800 bzw. über 45. Bei Hunden mit einem niedrigen Titer kann man in Absprache mit dem behandelnden Tierarzt bzw. der Tierärztin nach einer gewissen Zeit oft zu einer Intervallbehandlung übergehen. Dies bedeutet, dass der Hund nur in den ersten sieben Tagen des Monats Allopurinol bekommt. Es ist ratsam, Allopurinol nicht länger als zwei bis drei Jahre ununterbrochen zu geben. Es ist zwar durchaus gut verträglich, kann aber eine Harnsteinbildung fördern. Die meisten Hunde vertragen das Medikament sehr gut, insbesondere wenn man bei der Ernährung darauf achtet, dass sie purinarm und insgesamt etwas proteinreduziert zusammengesetzt ist. Dies vermindert das Risiko der Kristallbildung in den ableitenden Harnwegen.

  • Wie oft sollte der Hund tierärztlich untersucht werden und was wird dabei untersucht?

Empfehlenswert sind anfänglich vierteljährliche, später halbjährliche Kontrollen. Dabei sollte nicht nur der Antikörper-Titer bestimmt werden, sondern immer auch ein großes Blutbild mit einer Elektrophorese angefertigt werden, damit man sieht, wie es um die Antikörper und einzelne Eiweißkörper bestellt ist. Die Elektrophorese ist sehr häufig bei Entzündungen verändert, aber auch zum Beispiel bei Nierenproblemen, die noch im Verborgenen ablaufen. Das funktionsfähige Gewebe der Niere kann bis auf ein Drittel zusammenschrumpfen, bevor man dem Hund etwas anmerkt. Darüber hinaus ist eine Harnuntersuchung ratsam. Beispielsweise zeigt der Protein/Kreatinin-Quotient, UPC abgekürzt, an, ob die Nierenfunktion normal ist.

  • Reicht die Bestimmung des Antikörper-Titers?

Je nach Immunitätslage des Körpers werden noch keine Antikörper gebildet, es kann sich aber schon etwas im Körper abspielen. Der Hund kann infiziert sein, man merkt es aber nicht, weil keine Antikörper nachweisbar sind. Deshalb wird oft der direkte Erregernachweis aus Proben von Lymphknoten, Milz, Knochenmark, Bindehautabstrich, Urin oder Maulhöhle empfohlen.

  • Wie zuverlässig ist der so genannte Mittelmeertest?

Wichtig zu wissen ist, dass die Leishmaniose häufig in Kombination mit anderen Infektionen auftritt, in der Regel mit Ehrlichiose, aber auch mit Babesiose und weiteren Infektionen. Deshalb sollte auch auf die Erreger dieser Erkrankungen untersucht werden. Oftmals besteht zuerst die Ehrlichiose, die wiederum die Infektion mit anderen Erregern begünstigt.  

  • Sollte jeder Hund, der aus dem Mittelmeerraum kommt, untersucht werden?

Dies ist absolut anzuraten. Nach einigen Monaten sollte der Test auf Mittelmeerkrankheiten noch einmal wiederholt werden. Empfohlen von der ESCCAP (European Scientific Counsel Companion Animal Parasites) sind Tests auf Leishmaniose, Dirofilariose (Herzwurm), Babesiose und Ehrlichiose. Zusätzlich kann noch die Untersuchung auf Anaplasmose und Hepatozoonose ratsam sein.

  • Kann ein ruhiges, strukturiertes Zuhause einem Leishmaniose-positiven Hund helfen, mit der Infektion gut klarzukommen?

Die Psyche des Hundes entscheidet stark mit, wie das Immunsystem aufgestellt ist. Alles, was Stress verursacht, behindert Heilung. Auch Unterernährung, Kälte und Monotonie, wie sie oft in Auffangstationen und Caniles herrschen, dämpfen das Immunsystem. Daher ist neben der medikamentösen Therapie das Umfeld entscheidend für den Behandlungserfolg.

  • Was sollte man zur Prophylaxe tun, wenn man in die Mittelmeerregionen reist – ob nun mit oder ohne seinen Hund?

Das sind ganz einfache Maßnahmen: In der Dämmerung nicht ohne Mückenschutz unterwegs sein und nicht auf normale Moskitonetze vertrauen, denn die Sandmücke ist so winzig, dass sie durch die Maschen passt. Wenn der Hund mitreist, sollte er ein Insektenschutz-Halsband tragen oder regelmäßig alle 14 Tage ein Spot-on bekommen. Und natürlich nachts nicht draußen schlafen müssen …

Bitte beachten Sie, dass diese Informationen den persönlichen fachlichen Rat nicht ersetzen können!